Sexualität, Verhütung und Kinderwunsch

Ihr seid nun ein Paar und stellt euch solche Fragen: Wird die Sexualität durch CED eingeschränkt? Wenn ja, was kann man dagegen tun? Ganz im Gegensatz zur beschwerde- und oft medikamentenfreien Phase ist die Sexualität unmittelbar vor und in einer akuten Phase der Krankheit mehr oder weniger eingeschränkt. Vor einem akuten Schub wirst du vielleicht launisch, missmutig und abgeschlagen sein. In einer akuten Phase, wenn Bauchschmerzen, Durchfälle oder Gelenkbeschwerden dich plagen oder es durch die Einnahme von Cortison vorübergehend zu einer Verminderung der Sexualhormone kommt, verspürst du wahrscheinlich weniger Lust auf Sex als dein Freund oder deine Freundin. Wichtig ist, dass du mit deinem Partner darüber redest und deine Situation ihm gegenüber in Worte zu fassen versuchst, auch wenn du vielleicht gar keine Lust dazu hast. Setze dich nicht einem falschen Leistungsdruck aus, nach dem Motto: „Ich muss jetzt sexuelle Lust verspüren, sonst mag mich mein Freund oder meine Freundin nicht mehr”.

Mache dir und deinem Partner klar, dass Sex nicht nur Geschlechtsverkehr bedeutet. Sex ist viel mehr als das. Zum Beispiel Wärme und Geborgenheit hautnah erleben. Streicheleinheiten und zärtliche Küsse ohne einen fordernden Anspruch auf mehr können sehr schön und beglückend sein, wenn beide das zulassen. Probiert es doch einfach mal aus. Was ist aber, wenn ihr beide Lust verspüren solltet, richtig miteinander zu schlafen?

Schon an Verhütung gedacht?

In Phasen heftiger Durchfälle, also vorwiegend während eines akuten Schubes, könnte die Anti-Baby-Pille nicht ausreichend wirksam sein, weil die Pille zu kurz im Darm verweilt. Da sie aufgrund der Durchfälle zu schnell wieder ausgeschieden wird, können die Wirkstoffe womöglich nicht in die Blutkreislaufbahn gelangen. Zwischenblutungen sind Anzeichen dafür. Wenn über einen längeren Zeitraum und den ganzen Tag über heftige Durchfälle bestehen, ist von einer Verhütung mit der Pille abzuraten. Bestehen die Durchfälle nur tagsüber, so ist es ratsam, die Pille in der Zeit zu schlucken, in der aller Wahrscheinlichkeit nach ca. 6 bis 8 Stunden nach Einnahme keine Durchfälle zu erwarten sind, also wie hier in der „normalen” Nachtruhe-Phase. Wechselwirkungen zwischen der Anti-Baby-Pille und CEDMedikamenten sind nicht bekannt. Eine Spirale ist nur dann geeignet, wenn keine Fistelbildungen in der Genitalregion vorhanden sind, da sonst das Einlegen Schwierigkeiten bereitet. Auf jeden Fall sollte die Wahl der Verhütungsmittel mit dem Frauenarzt abgesprochen werden.

Übrigens: Verhütung ist nicht nur Frauensache. Es gibt ja auch Kondome!

Kinderwunsch und CED - Ein Widerspruch?

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Im Prinzip kann und darf man mit CED schwanger werden oder ein Kind zeugen. Es sind jedoch laut PD Dr. Maaser einige Punkte zu bedenken (siehe auch Bauchredner aus 3/2011):

  • Wie aktiv ist die Erkrankung gerade?
  • Ist eine Operation möglicherweise notwendig?
  • Welche Medikamente nehme ich gerade?

In einem akuten Schub sind die Zeugungsfähigkeit des Mannes und die Fruchtbarkeit der Frau herabgesetzt. Störungen im Hormonhaushalt und Nebenwirkungen von Medikamenten sind wichtige Ursachen dafür. In der Ruhephase einer CED gibt es jedoch keinen Grund, einem Kinderwunsch nicht nachzugeben. Am besten man plant eine Schwangerschaft gut. Doch auch wenn man ungeplant schwanger wird, ist das kein Grund zur Sorge, denn viele Medikamente können auch in der Schwangerschaft weiterhin genommen werden. Darüber muss man aber unbedingt mit dem Arzt sprechen! Die häufigste Frage, die gestellt wird: „Wenn ich CED habe, bekommt mein Kind das auch?“ Dazu ist zu sagen: Obwohl die genauen Ursachen von CED bis heute noch nicht erforscht sind, so kennt man doch inzwischen einige Gene, die für das Auftreten einer CED verantwortlich sind. Es wurde festgestellt, dass Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in einigen Familien gehäuft auftreten, somit die Erbanlagen eine gewisse Rolle spielen. Ob und wie die allerdings zum Ausdruck kommen, hängt vielfach auch von äußeren Einflüssen ab, seien sie positiv oder negativ. Es stimmt, dass es ein gewisses Risiko gibt, dass Kinder von Eltern mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa selbst wiederum daran erkranken können. Doch denk daran, dass beide Krankheiten heute wirksam behandelt werden können und in Zukunft vielleicht noch besser!

Wie verläuft eine Schwangerschaft, wenn ich CED habe?

Tritt eine Schwangerschaft während einer Ruhephase der Erkrankung ein, ist die Wahrscheinlichkeit, während der Schwangerschaft an einem Schub zu erkranken genauso wie bei Nicht-Schwangeren mit einer CED.

Kommt es jedoch während eines akuten Schubes zu einer Schwangerschaft, so hält bei 2/3 diese Aktivität auch während der Schwangerschaft an und bei einigen kommt es sogar zur Verschlechterung. Somit gibt es gute Gründe, dass eine Schwangerschaft möglichst in einer Ruhephase erfolgen sollte. (Maaser, Bauchredner 3/2011, Seite 16 ff.)

Tipp: Zum Thema Kinderwunsch und Schwangerschaft bei CED gibt es auch einen aktuellen Bauchredner (4/2018), der über die Geschäftsstelle bestellt werden kann. Dort wird u.a. auch darüber informiert, welche Medikamente in der Schwangerschaft und beim Stillen als sicher gelten.